Reisebericht zur Nordtour im Roten Meer (November 2007)

2007-11-12

Die Ankunft in Hurghada war Standard. Nachdem wir uns gesammelt hatten, wurde erst einmal Bier für die Fahrt eingekauft, obwohl ich mittlerweile der Meinung bin, dass das ägyptische Bier (z.B. Sakara) um einiges besser schmeckt, als die ekligen, grünen Dosen aus Holland.

Nachdem Roland und ich uns vom ordentlichen Zustand des Bootes überzeugt hatten, konnte die Gruppe aufs Boot und die Kajüten beziehen. Danach wurden alle Teilnehmer von Bernhard über die etwas andere Art auf einem Safariboot zu leben (Toiletten usw.) aufgeklärt.

Nachdem uns Bernhard mitteilte, dass die Thistlegorm ab dem 15.11.2007 für das Tauchen gesperrt wird, beschlossen wir, dass wir, bereits am 14.11. die Thistlegorm anfahren um dieses Highlight mit zu nehmen.

Der restliche Abend verlief ohne weitere Zwischenfälle oder besonderen Vorkommnisse. Es wurde lediglich ein bisschen über die kommende Woche und übers Tauchen gesprochen und natürlich wurden erste Bekanntschaften geschlossen.

2007-11-13

Gegen 10:00 Uhr, quasi ägyptische 9:00 Uhr, stachen wir endlich in See und steuerten das Riff Shaab El Erk für den Checkdive an.

Nach einer kurzen Einführung durch Bernhard, der ich den Titel 1000 Wege auf See zu sterben gebe, da seine Ausführungen wirklich sehr detaillierte Arten zu sterben enthielten, ging es los mit dem ersten Tauchgang. Hier ein Auszug der Todessymphonie:

  • Wenn ihr ohne eure Boje zu setzen auftaucht, werdet ihr evtl. von den Zodiack-Fahrern übersehen und dann fahren euch die mit der Schraube den Kopf zu Brei.
  • Evtl. werdet ihr ohne die Boje nicht mehr gefunden und treibt auf offenes Meer. Da habt ihr keine Chance mehr.
  • Hosam hat erst kürzlich wieder eine Wasserleiche rausgeholt.

Nach all diesen Horrorvisionen tauchten wir erst mal ab. Selbstredend verzichteten Roland und ich auf die von Bernhard erklärten Übungen, da wir die Leute, die uns begleiteten bestens kennen und wissen, was die Leute können oder eben nicht.

Der Tauchgang selbst war recht nett und ohne besonderen Vorkommnisse. Roland und ich klärten nach dem Tauchgang mit Bernhard die weitere Vorgehensweise und den weiteren Verlauf der Tour.

Der zweite Tauchgang des Tages war ein gemütlicher Drift-Tauchgang. Man konnte richtig entspannt am Riff vorbei segeln. Einfach traumhaft. Das Ende des Tauchganges war etwas seltsam, da so langsam die Nacht hereinbrach und dummerweise niemand eine Lampe dabei hatte. War jetzt aber nicht das Thema. Nach einem kurzen Auftauchen, um die Lage zu checken, fanden wir wieder unser Boot.

Wir machten am selben Riff noch einen Nachttauchgang. Mein Buddy war Volker. Im großen und ganzen ein schöner Nachttauchgang ohne besonderen Vorkommnisse.

2007-11-14

Früh am Morgen ging es los in Richtung Thistlegorm und wir überquerten die Straße von Gubal. Der Wellengang war ziemlich heftig, was zur Folge hatte, dass einigen Teilnehmern die Farbe aus dem Gesicht rutschte. Aufgrund dessen liesen ein paar Teilnehmer auch den ersten Tauchgang ausfallen. Danach war aber alles wieder in Ordnung.

Ein ganzer Tag am Wrack der Thistlegorm. Die Thistle ist das mit Abstand schönste Wrack, das ich bis jetzt sah und ich denke mal, jeder der Teilnehmer genoss jeden Augenblick dieses Tages.

Zwei Tauchgänge, sowohl außen am Wrack als auch innen, machten wir am Tag. Das absolute Highlight war aber der Nachttauchgang, den ich mit Bianca und Roland durchführte.
Das Wrack wirkt um einiges gigantischer, wenn sich die Strukturen langsam aus dem Licht der Lampen herauskristallisieren. Die Fauna am Wrack ist meiner Meinung nach um einiges interessanter als am Tag. Den richtigen Kick beim Nachtauchgang an der Thistle bekommt man aber erst, wenn man sich ein bisschen absetzt und dann das eigene Licht abschaltet. Bei 25 Meter Tiefe ist das Gefühl, das man dabei hat, schlicht unbeschreiblich.

2007-11-15

Am 15.11.2007 ging es ganz früh wieder los in Richtung Ras Muhamed. Wieder musste die Straße von Gubal durchquert werden. Diesmal war jedoch kaum Wind und daher auch so gut wie kein Seegang. Endlich mal ausschlafen!

Der erste Tauchgang ging dann erst mal ein bisschen tiefer. Ein Taucher meiner Gruppe hatte den Drang zu tieferen Gefilden. Das Dumme daran war nur, dass er keinen Computer bei sich hatte und seine mit einem Computer ausgestattete Partnerin sich etwa zehn Meter über ihn befand und bereits zwei Minuten Deko auf dem Computer hatte. Da ich mit Nitrox 32 tauchte und daher nicht unbedingt tiefer als 42 Meter wollte, deutete ich ihm also an, dass er nach oben solle. Nachdem ich es dann noch weitere zwei mal andeutete, kam er dann auch endlich der Aufforderung nach.

Da ich nicht genau wusste, wie viel Deko er machen musste und er wohl nichts von einer Deko wusste, tauchten wir auf ca. 10 Meter Tiefe am Sharks Reef, einem wirklich schönen Korallengarten mit einer richtig schönen und bunten Flora und Fauna. Als ich nach einiger Zeit eine recht große Muräne entdeckte und diese Volker zeigte, bemerkte ich, dass eine Taucherin offensichtlich Probleme mit dem Druckausgleich hatte. Sie zeigte ihrem Buddy an, dass sie aufsteigen will, der jedoch hat offenbar ein unglaubliches Talent, alles zu ignorieren, was ihm seine Buddies anzeigen, was er ja bereits bei mir eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat. Nach einigen, kleineren Problemen gelang dann aber doch der Aufstieg und der Tauchgang konnte ohne irgendwelche Folgen beendet werden.

Der zweite Tauchgang am Ras Muhamed verlief dann um einiges ruhiger. Stefan, Roland und ich fotografierten ein bisschen im Korallengarten am zweiten Riffblock, dessen Name mir leider nicht mehr einfällt (vielleicht erfinde ich einfach mal einen). Es war ein schöner Tauchgang ohne Zwischenfälle, der nach 66 wunderbaren Minuten leider enden musste.

Nachdem wir wieder an Bord waren und das, wie üblich, hervorragende Mittagessen verschlungen haben, ging es weiter zum Wrack der Dunraven.

Das Wrack selbst war nicht unbedingt der Bringer. Was wir allerdings um das Wrack herum sahen, war schlicht beeindruckend.

Nach dem wir aus dem Wrack heraustauchten, sahen wir einen riesigen Napoleon, der quasi an unserer Nase vorbeischwamm. Als wir dann am Riff entlang tauchten und eine richtig große Muräne sahen, entdeckten wir den zweiten recht großen Napoleon. Kaum verloren wir den aus den Augen, sah ich wie Gerhard wie wild auf einen großen Schatten deutete. Wieder ein großer Napoleon. Wirklich unglaublich! Was sollte diesen Tauchgang jetzt noch besser machen?

Als wir nun weiter am Riff entlang tauchten, fest davon überzeugt, dass jetzt nichts mehr kommen kann, segelte auch noch eine Schildkröte an uns vorbei. Perfekt! So ganz nebenbei sah ich auch noch zwei Kaiserfische, die sich entweder paarten oder stritten. Allerdings war das anscheinend kaum der Rede wert; bei derartigen Highlights.

Alles in allem war es ein absolut starker Tauchgang und ein gelungener Tag.

2007-11-16

Nach Ankunft bei der Rosalie Möller mussten wir leider feststellen, dass für die Anfänger, anders als erwartet, nun leider doch kein Riff in der Nähe war. Das war wohl ein kleines Missverständnis zwischen Bernhard und Hosam. Da der Tauchgang zum Wrack aufgrund der Tiefe und der nicht unbedingt guten Sicht doch relativ anspruchsvoll war, mussten die Anfänger an Bord diesen Tauchgang leider aussetzen. Allerdings nahm das keiner krumm, da sie doch irgendwie auch froh waren einfach mal auszuruhen. Tauchen schlaucht halt doch mehr, als man gemeinhin denkt.

Das Wrack der Rosalie Möller war umgeben von Fischschwärmen. Inmitten dieser Fischsuppe konnten wir einige recht große Zackis ausmachen. Ein atemberaubender Anblick, das Ganze! Für die Zackis dürfte dieses Wrack eine Art Schlaraffenland darstellen. Einfach rumhängen inmitten von Unmengen an Futter. Immerhin war die Schwarmdichte teilweise so dicht, dass man von den Zackis kaum noch etwas sehen konnte.

Kurz nach dem Tauchgang wurde ein Crew-Mitglied (der kleinste der Crew) durch ein ungünstig platziertes Messer in der Kombüse relativ schwer verletzt. Er hatte eine ca. 15 cm lange Schnittwunde am Oberarm, die bis auf den Knochen ging. Glücklicherweise war Wolfgang mit an Bord. Der ist zwar Tierarzt, aber Haut ist Haut und in der Not muss eben der Tierarzt ran. Wolfgang operierte den Mann auf dem Tisch im Salon mit einer Ruhe, die ihresgleichen sucht.[1] Allerdings merkte er bereits während seiner Näharbeit an, dass der Mann unbedingt in einem Krankenhaus ärztlich versorgt werden muss, weshalb wir dann auch auf direktem Weg nach Hurghada zurückfuhren.

Auf der Fahrt nach Hurghada holte Klaus die altbewährte Lala-Box heraus und wir hörten Lieder aus den Achtzigern. Angefangen hat es selbstverständlich mit der ABYSS-Hymne Aloha Heja He, die trotz der Vorfälle zum Träumen einlud.

Während der Fahrt initiierte Stefan eine kleine Spendenaktion für den Verletzten, da der Mann nicht versichert war und zudem die nächsten vier Wochen nicht mehr arbeiten und damit auch kein Geld verdienen konnte. Wir bekamen über 200 Euro zusammen, die wir Bernhard mitgaben. Da im Krankenhaus nichts mehr gemacht wurde, bekam der kleine Mann von Khaled das Geld mit nach Hause. Ich nehme an, er konnte es brauchen.

Wir fuhren dann doch nicht bis in den Hafen von Hurghada, sondern machten beim Riff Abu Galawa fest, von wo aus Bernhard den Verletzten  mit dem Zodiack nach Hurghada brachte, wo er ihn Khaled übergab, der ihn dann ins Krankenhaus brachte.

Währendessen machten wir einen gemütlichen Tauchgang an besagtem Riff. Zwar war es nichts Besonderes, allerdings war es auch mal wieder schön, einfach hin und her zu paddeln und ein paar Bilder zu machen.

Danach fuhren wir mal wieder zum Shaab El Erk; das Riff vom Check dive. Wir machten dort zum Abschluss des Tages noch einen gemütlichen Nachttauchgang. Dabei sah ich zum ersten Mal eine Seeanemone, die sich gerade in der Entstehung befand. Es war einfach ein flaches, sich bewegendes Gebilde, das wohl auf seine ersten Bewohner noch etwas warten muss; ist aber totzdem recht faszinierend.

2007-11-17

Am frühen Morgen des 17.11. legten wir relativ früh am Morgen ab und fuhren Abu Nahas an um die Wracks der Carnatic und der Giannis D. zu betauchen.

Der erste Tauchgang führte uns zur Carnatic, das heißt anfangs erst mal in die falsche Richtung, da wir irgendwie anders abgesetzt wurden, als beim Briefing besprochen. Aber was soll’s? Nach ein bisschen paddeln in die umgekehrte Richtung fanden wir sie schließlich doch.

Die Carnatic selbst ist ein relativ unspektakuläres Wrack. Was aber wirklich interessant ist, sind die vielen Fischschwärme, die um das Wrack herum anzutreffen sind. Tausende von Glasfischen, die immer wieder von den ebenfalls zahlreich vorhandenen Flötenfischen vertilgt wurden. Das schönste Bild bei diesem Tauchgang bot sich dann aber doch im Inneren des Schiffes. Plötzlich war da eine regelrechte Wand aus Glasfischen, in die ich da hineintauchte; danach war ich quasi ein Teil des Schwarms. Ein geniales Erlebnis.

Der zweite Tauchgang ging dann runter zur Giannis D. Wir tauchten ab und begaben uns dabei an das Heck des schräg auf der Seite liegenden Wracks um von dort aus in das Schiff hinein zu tauchen. Durch die Schräglage des Wracks fiel die Orientierung teilweise etwas schwer. Man wusste kaum, wo oben oder unten ist und deshalb rumpelte ich auch ein paar Mal gegen Decke bzw. gegen den Boden. Nach einiger Zeit im Wrack fanden wir, besser gesagt Bianca und Roland, den Zugang zum Maschinenraum. Ein sagenhafter Anblick! Wieder waren wir umgeben von tausenden, kleinen Glasfischen. Im Maschinenraum gab es neben den Fischen auch den Kessel und die riesige Nockenwelle zu bewundern. An Letzterer konnte man noch einige provisorische Reparaturen erkennen, die zu besseren Zeiten des Schiffs mit Draht und zum Teil auch mit Seilen durchgeführt wurden. Irgendwie ist es da nicht weiter verwunderlich, dass das Schiff heute auf Grund liegt.

Nach dem wir wieder außerhalb des Wracks waren, sahen wir wieder jede Menge Schwarmfische und eine Vielzahl kleiner Details. Der Tauchgang war dann auch, man muss fast sagen „Gott sei dank!“, zu Ende, da direkt über der Giannis D. ein Safariboot festmachte und die Geräusche der Schraube derart laut waren, dass es wirklich unangenehm wurde.
Alles in allem war es aber ein gelungener Tauchgang an einem faszinierendem Wrack.

Nach diesem Tauchgang ging es weiter nach Gubal, wo wir noch einen Dämmerungstauchgang machten, bei dem es von Muränen und Fischschwärmen nur so wimmelte. Nach dem Tauchgang wurde auf der Insel ein Barbecue-Abend gemacht und danach wurde mit der Crew ausgiebig gefeiert. Leider war ich selbst nicht dabei, da ich bereits aufgrund von Dehydrierung mit Kopfschmerzen und Übelkeit im Schlafsack lag.

2007-11-18

Nachdem ich die ganze Nacht durchschlief und auch wieder einiges an Flüssigkeit zu mir genommen hatte, war ich am Morgen wieder fit und bereit für den letzten Tauchtag.

Nachdem wir einige Zeit von Gubal nach Shaab Rour gefahren sind, ging es kurz vor 9:00 Uhr wieder in die Tiefe. Auf dem Weg nach unten begegnete mir eine Muräne, die schnurstracks auf mich zuhielt und mit einem Mal halt machte und mich recht grimmig fixierte. Da ich keine nähere Bekanntschaft suchte, ging ich ein wenig zur Seite und die Muräne setzte ihren Weg fort und wir, Bianca, Roland und ich, machten uns weiter auf den Weg nach unten.

Als wir dann auf einer angenehmen Tiefe waren, deutete Roland an, dass er Deko hat und machte das „Ständersignal“[2]. Mir fiel vor Lachen fast der Automat aus dem Gesicht. Nachdem wir dann noch ein wenig tiefer gingen und nichts besonderes vorfanden, machten wir uns wieder auf den Weg nach oben. Beim Aufstieg begegneten wir dann nur noch einem kleinen Napoleon.. Es war zwar sonst nicht sehr spektakulär aber das Austauchen am Riff war wunderbar, da die Sonne direkt auf das Riff strahlte und uns dadurch ein sagenhaftes Farbenspiel bescherte.

Nach dem Tauchgang ging es zurück nach Hurghada; mal wieder und diesmal leider auch zum letzten Mal. Dort machten wir einen letzten Tauchgang in der Turtle Bay.
Ich tauchte noch einmal mit Bianca und Roland ab und wir genossen ein letztes Mal für satte 90 Minuten die Unterwasserwelt des Roten Meeres.

Am Abend zeigte uns Hosam voller Stolz sein Tauchcenter, welches derzeit Form annimmt und er zusammen mit seinem Bruder betreibt. Danach ging es zu „Papa’s“, das nur ca. 200 Meter entfernt ist, wo Thomas erleben musste, dass einem die Seekrankheit auch an Land einholen kann. Zumindest lies er sich das Abendessen noch einmal durch den Kopf gehen.

2007-11-19

Am Flughafen wurde es dann noch mal richtig stressig, weil Daniel, Thomas und Chrissi im falschen Flug gebucht waren. Daniel bekamen wir mit viel Lügen und Überredungskunst in allerletzter Minute noch in den richtigen Flieger. Chrissi und Thomas tauschten nach dem Checkin die Bord- und Gepäckkarten und so flog Chrissi im Namen von Thomas und umgekehrt. Das ist bestimmt nicht legal aber es sparte uns jede Menge Umbuchungsgebühren.

Am Abend dieses Tages holte uns dann ca. fünf Stunden später die Realität wieder ein als wir im bitterkalten Deutschland wieder ankamen.

Schlusswort

Auch wenn auf der Fahrt das eine oder andere Missgeschick passierte, wie etwa der Verletzte und die Route über den Haufen geworfen werden musste, weil die Thistle unvorhersehbarerweise gesperrt wurde, war es eine starke Safari mit einer super Truppe.

Aloha Heja He,
Marco

 


[1] Aufgrund dieser wirklich einzigartigen Leistung wurde Wolfgang (leider in Abwesenheit) am 16.12.2007 bei der ABYSS-Weihnachtsfeier der ABYSS-Award verliehen, was ihm, leider nur übers Handy, tosenden Beifall einbrachte.

 

[2] Für nähere Eräuterungen bezüglich des Ständersignals bitte Sandro fragen.

 

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